Eine künstliche Befruchtung mit ICSI

Als Alternative zur Refertilisierung besteht die Möglichkeit einer künstlichen Befruchtung. Dieses Verfahren heißt „intrazytoplasmatische Spermieninjektion“ (ICSI) und bedeutet die Befruchtung von weiblichen Eizellen mit Spermien des Mannes außerhalb des Körpers unter dem Mikroskop mit nachfolgendem Einsetzen der zu einem kleinen Embryo weiterentwickelten Eizellen in die Gebärmutter der Frau.

Leider zeigt die Erfahrung, dass viele Gynäkologen in den sogenannten Kinderwunschzentren die Paare nicht umfassend über beide Möglichkeiten zum gemeinsamen Kind aufklären, sondern einseitig informieren und nur die künstliche Befruchtung empfehlen (aus eigenem Interesse), obwohl diese eine erhebliche Belastung für die Frau darstellt und wesentlich teurer ist als die Refertilisierung.


Wie gewinnt man die Eizellen der Frau und die Spermien des Mannes ?

Die Eizellen der Frau werden durch ultraschall-gesteuerte Punktion der Eierstöcke von der Scheide aus gewonnen, wozu eine kurze Betäubung erforderlich ist. Die Eizellgewinnung funktioniert aber nur dann, wenn vorab eine Hormonbehandlung bei der Frau durchgeführt wurde; ohne vorherige „Stimulation“ im sog. Spontanzyklus wären die Chancen zur Eizellgewinnung sehr gering.

Die Spermien des Mannes müssen durch einen operativen Eingriff, entweder eine sog. Hodenbiopsie (TESE) oder eine mikrochirurgische Gewinnung von Nebenhodenspermien unter dem Mikroskop (MESA) gewonnen werden. Die Hodenbiopsie kann in örtlicher Betäubung erfolgen, stellt jedoch einen operativen Eingriff dar und hat dieselben Risiken und Komplikationsmöglichkeiten wie die Refertilisierung.

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Risiken für die Frau durch die ICSI

Das Hauptargument für eine Refertilisierung und damit Möglichkeit zur natürlichen Fortpflanzung und Zeugung eines Kindes und gegen die künstliche Befruchtung ist die unvermeidbare Belastung der Frau durch die Hormonbehandlung, die zwar individuell unterschiedlich empfunden wird, aber immer vorhanden ist, weil es sich um eine Manipulation des weiblichen Hormonhaushaltes handelt. Die damit verbundenen Risiken können Zystenbildungen an den Eierstöcken, Wasserbildung im Bauchraum, Ödeme, Thrombosen, Embolien und vieles mehr sein. Auch der Eingriff der Eizellentnahme mit der damit verbundenen Betäubung oder Narkose ist belastend und kann zu Komplikationen führen.

Wenn sich ein Paar mit Kinderwunsch nach einer zuvor erfolgten Sterilisation des Mannes für den Weg der künstlichen Befruchtung entscheidet, kommt es zur Verlagerung des Problems vom „Problemträger sterilisierter Mann“ auf die gesunde Frau, weil der Mann nur den Eingriff der Hodenbiopsie in örtlicher Betäubung über sich ergehen lassen muß, die Frau aber die gesamte Belastung der künstlichen Befruchtung tragen muß, obwohl sie gesund ist und eigentlich kein Fruchtbarkeitsproblem hat. Meist werden bei der künstlichen Befruchtung zur Erzielung einer möglichst hohen Erfolgsrate zwei Embryonen übertragen, woraus ein Zwillingsrisiko von ca. 20 % resultiert. Jede Zwillingsschwangerschaft, die unter natürlichen Bedingungen mit einer Wahrscheinlichkeit von nur 1 % auftritt, gilt als Risikoschwangerschaft.



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Erfolgschancen der künstlichen Befruchtung (ICSI)

Die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft hängt bei den Paaren, wo der Mann sterilisiert ist und meist vorher schon Kinder gezeugt hat, also eine sog. obstruktive Azoospermie hat, im Wesentlichen nicht von seiner „Spermienqualität“ ab, die immer voll ausreichend für die Befruchtung ist, sofern er keine die Fruchtbarkeit reduzierenden Erkrankungen hatte oder bestimmte Medikamente einnimmt.

Vielmehr hängt die Schwangerschaftswahrscheinlichkeit von der Frau und ihrem Alter sowie der Erfahrung des Kinderwunschzentrums ab (wo es sehr große Unterschiede gibt). Sofern bei der Frau keine die Fruchtbarkeit einschränkenden Faktoren vorliegen (und sie jünger als 35 Jahre ist) und sie mit der Übertragung von zwei Embryonen pro ICSI-Versuch einverstanden ist, liegen die Schwangerschaftschancen an Kinderwunschzentren, wo man viel Erfahrung mit der Verwendung von Hodenspermien hat, bei 30 % pro ICSI-Zyklus, die Geburtenraten liegen niedriger, die kummulative Schwangerschaftsrate nach 3 ICSI-Zyklen beträgt max. 60 -70 %.

Mögliche Risiken für ein Kind aufgrund der Zeugung mittels ICSI werden in der wissenschaftlichen Literatur nicht einheitlich beurteilt, sind jedoch nicht gänzlich auszuschließen.

Kosten der künstlichen Befruchtung

Selbst wenn die Frau im ersten Versuch schwanger wird, liegen die Gesamtkosten der ICSI einschließlich der Medikamente und der notwendigen operativen Spermiengewinnung mit den Laborkosten (Aufarbeitung, Einfrieren und Lagerung der Spermien)
bei ca. € 6.000 bis € 8.000,-.

Im Falle einer zuvor erfolgten Sterilisation des Mannes muß das gesamte Procedere vom Paar selbst bezahlt werden muss.

Wenn zwei oder drei ICSI-Versuche erforderlich sind, steigen die Gesamtkosten schnell auf € 10.000,- bis € 12.000,- an.
Manche sog. Kinderwunschzentren rechnen noch wesentlich höhere Preise ab, als die hier angegebenen.

Jedes Paar hat das Recht auf die eigene Entscheidung, welchen Weg es wählen will, aber Voraussetzung dazu ist eine ehrliche und objektive Aufklärung über beide mögliche Wege durch die beratenden Ärzte.

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